Tschüss Strava, hallo pures Bergradfahren

Ich fahre seit 1992 Mountain Bike. Vor allem wegen dem Bergerlebnis, zusammen mit dem  Umstand, dass langweilige Forststrassen nicht so lange dauern. Das habe ich anfangs vor allem mit Freunden gemacht, dann auch ein paar Jahre Marathon-Volksrennen. In den letzen zehn Jahren bin ich vor allem alleine Mountain Bike gefahren.

Vor zwei Jahren habe ich mich bei Strava registriert, dann vor einem Jahr eine Premium-Mitgliedschaft erworben, die ich eben gekündigt habe. Dabei bin ich nicht prinzipiell mit der Software unzufrieden, obwohl die einiges an Verbesserungspotential hätte.

Ich habe viel mehr festgestellt das Strava dass was ich am Mountain Bike fahren liebe bedroht. Und zwar deswegen:

  • jede Strecke wird zur Messstrecke eigener Leistungen, das führt zu Wiederholungen wo es auch Zeit für Abwechslung gäbe
  • ein Pseudo-Wettbewerb mit sich und anderen entsteht, wo er real und vor Ort nicht existiert
  • falsche Auswahl: Mountain Biker sind alle die mit einem Rad auf den Berg fahren, nicht nur die Strava-Nutzer
  • ein absurder Hass der klassischen Biker (von denen ich einer bin) auf die eBiker wird forciert, den ich einfach nur kleingeistig finde

Das schlimmste aber: man fährt immer gegen die Uhr.

Darum ging es aber beim Mountain Biken für mich noch nie, nicht mal bei den Marathons. Mir war immer wichtig etwas zu schaffen, keine Frage. Aber vor allem anderen wollte ich in den Bergen sein. Sie sehen, riechen – und manchmal leider auch schmecken.

Strava zieht eine Decke ein zwischen der Welt da draussen und unserem Erleben, eine Metaebene die wie eine Glaswand vor das hier und jetzt tritt. Aber Bergsport ist zuerst am Berg und dann ein Sport. Jede Aktivität in den Alpen und sonstwo ist eine Art säkularer Gottesdienst an der Schönheit der Bergwelt, es ist Zeit zum Zeit haben und lassen. Mit Strava kommt Pseudo-Rennsport in das freizeitmäßige Radfahren, was dort nichts verloren hat. Es nützt dem Berg- und Selbsterlebnis ebensowenig, wie der Entspannung. Es schließt nur eine weitere Lücke im Selbstoptimiererwahn, die nicht geschlossen werden muss. Das ging mit der Pulsuhr und Excel auch schon früher, aber ohne die Highscore-Jünger die jetzt nach KOM’s hecheln.

Drum also: Tschüss öffentliches Strava. Ich schneide gern weiter meine Jahreskilometer, Touren und so weiter mit. Aber meine Zeiten sind ab sofort Privatsache und das beste daran ist: sie interessieren mich ganz privat auch nicht mehr.

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