re:publica 2017: Meine High- und Lowlights

Die rp17 ist leider schon wieder vorbei. Wie jedes Jahr lese ich mit Wehmut die Berichte anderer Teilnehmer und bedaure soundsooft anscheinend im falschen Talk gesessen zu haben. Bis ich dann meine Liste durchgehe und feststelle, dass doch auch ein paar Perlen dabei gewesen sind. Wer also in den anderen war, oder überhaupt nicht da, dem seien die folgenden Vorträge empfohlen.

Ein paar Einsichten, die ich jedes Jahr wieder gewinne, nur um sie dann im nächsten Jahr wieder nicht umzusetzen. Aber 2018 wird alles anders! Hier meine Merkliste:

  1. Lies Dir das ganze Programm gescheit durch, google die Leute die Du dir anschauen willst.
  2. Mach Dir einen Plan für alle drei Tage. Wenn Du da bist hast Du keine Zeit.
  3. Nimm Dir nichts anderes in Berlin vor.
  4. Komme am Sonntag, fahre am Donnerstag.
  5. Spar Dir den Dueck

Ein paar Dinge die ich jetzt schon drauf habe:

  • keine Tasche mitschleppen,
  • keine Sneaker anziehen,
  • ein Powerpack mitbringen und vorher aufladen (!),
  • Sportsachen zuhause lassen
  • Spar Dir den Lobo

Zu den diesjährigen Highlights (und ein paar Lowlights):

Ich habe in drei Tagen 20 Vorträge gehört, also meiner Ansicht nach nicht allzuviele. Es hätten wohl noch etwa 10-15 mehr reingepasst. Nächstes Jahr dann…

Den schönsten Überraschungsmoment verdanke ich Puno Selesho, einer südafrikanischen Spoken Word Künstlerin. Sie eröffnete das „FUTURE. FUTURE! FUTURE? TECHNOLOGY WORLDWIDE – BETWEEN UTOPIA AND DYSTOPIA„-Segment des BMZ mit einer mitreissenden und wunderschönen Darbietung. Es gibt (noch) kein einzelnes Video dazu, man muss also zu 5:05:53 im untenstehenden Video springen. Ich fands wunderschön und ich glaube das ging allen im Saal so.

Jetzt zu den ganz normalen Talks:

  1. Reflexion: Love Out Lout – Carolin Emcke

    Klug und überzeugend, herrlich differenziert, Carolin Emcke hat mir schon letztes Jahr Spaß gemacht. Dieses Jahr war es nicht anders. Seht selbst (trotz des wenig treffenden Standbilds):

  2. Die Macht der Sprachbilder -Politisches Framing und neurokognitive Kampagnenführung – Elisabeth Wheling

    Für viele das Highlight der rp17, ich fand es nur so mittel. Aber wer sich damit nicht auskennt, für den ist der Vortrag von Frau Wheling eine sehr gute Einführung:

  3. Flachsinn … – Günther Dueck

    Dies war wie auch schon letztes Jahr ein Lowlight. Habe mich überreden lassen und sass dann mittendrin. Es ist das immergleiche Geschwafel, Management-Gebashe und Denglisch-Persiflage. Ich kanns nicht mehr hören. Nächstes Jahr: einfach sparen. Dabei ist er mir ja nicht mal unsympathisch, aber ich glaube er ist einfach faul geworden. Den Link braucht kein Mensch.

  4. Bedingungsloses Grundeinkommen – (K)eine Antwort auf den digitalen Wandel – Andrea Nahles

    Frau Nahles hat vor einem in der Mehrheit für das BGE abstimmenden Publikum ihre Zweifel erklärt und angebracht. Das hat sie engagiert getan, nicht immer sehr tiefgründig, aber auch nicht zu simpel. Auch die Fragen waren ganz gut, bis dann zwei Herren dran waren die vor Allem von sich sprechen wollten und so taten, als ob Frau Nahles bislang nichts gesagt hätte. Sie wurde da etwas ungehalten, was ich gut verstehen konnte. Noch viel ärgerlicher die verzerrende Berichterstattung in manchen Medien im Anschluss. Es war alles in allem eine lebhafte Demonstration von dem was Frau Wehling erklärt hatte. Und eine weitere Bestätigung meines Verdachts, dass viel zu viele Menschen keine Vorstellung davon haben wie Politik und Staaten eigentlich funktionieren.

  5. Plötzlich Digital – Und was nun? „ Vom Opfer zum Täter, oder: Die Lust an der Gestaltung unserer Zukunft“ – Ursula Schütze-Kreilkamp

    War ein sehr schöner, klarer und einfühlsamer Vortrag zum Thema Change Management bei der Deutschen Bahn. Würde ab heute keinen Vortrag von Frau Schütze-Kreilkamp mehr verpassen wollen. Sobald es ein Video gibt, werde ich es hier einfügen.

  6. Reload Disobedience -Theresa Züger

    Unaufgeregt, klar, durchdacht – danke Theresa Züger! Leider viel zu wenig Leute im Saal. War wohl noch morgens in Berlin, um 10:00 Uhr. Beschreibung gibt’s hier.

  7. Der Source Code der AfD – Katharina Nocun

    Das war wieder so ein Fall, wo sich alle im Saal einig waren, framing und so, siehe oben. Es war am Ende egal ob die Vortragende die absurden und rundheraus bescheuerten Positionen der AfD richtig einordnete oder nicht. Natürlich ist es um die AfD nicht schade, aber es war eben doch eine Menge Zustimmung zu eher schwächeren Argumenten, nur weil es gegen die „richtigen Gegner“ ging. Ich finde das mit Verlaub langweilig und auch ein wenig faul.

  8. Your pictures are looking at you – Trevor Paglen

    Sehr spannende Analyse, lohnt sich. Geht los bei 05:03:03.

  9. Deep Shit: Paradigms, Paranoia and Politics of Machine Intelligence – Paul Feigelfeld

    Fascinating BS. Eine Aneinanderreihung von kaum zusammenhängenden Dingen, ich denke das war Kunst. Oder auch nicht. Das wäre schlecht.

  10. Ex Oriente Make: The future of maker culture is China – Silvia Lindtner

    Silvia Lindtner hielt einen Vortrag über die Entstehung, Bedeutung und das Potential der Maker Kultur in Shenzhen. Sehr sehenswert! Da nicht einzeln verfügbar, muss man zu 06:48:00 springen.

    Mit Silvia Lindtner wurde auch noch ein Interview geführt, für die ADHS-Patienten unter Euch.

  11. Update: die Kunst des Liebens – Felix Schwenzel

    Bei 07:51:00 kann man Felix Schwenzel lauschen, einem Wiederholungstäter der re:publica, hoffnungsloser Fall für jeden Logopäden und dennoch einem der fesselndsten Nuschler der Republik. Diesmal über die Liebe und Erich Fromm. Wenn ich groß bin, will ich auch mal so einen Vortrag halten!

    Closing Ceremony

    Hach! War schön wie immer, auf die Generaleinladung von Johnny Häusler war ich kurz mal auf der Bühne, um dieses Foto zu machen. Danach bin ich wieder herabgestiegen vom Podium, dass zurecht den Organisatoren und ihrem Team gehört. Schön war’s! Bis nächstes Jahr!

    Dass da hinten seid ihr. Oder auch nicht.

    Das da hinten seid ihr. Oder auch nicht.

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